Wie war ihre Reaktion nach der Stadionschließung?
Jedenfalls war ich nicht überrascht. Ich sehe doch wie das Land in fast allen Bereichen komplett runter gerockt ist, es sei denn es geht um Fußball.
Welche Aufgaben standen nach der Stadionschließung dann an?
Mir war natürlich sofort bewusst, dass ich meine kompletten Planungen in die Tonne werfenkonnte. Ich habe habe dann gemeinsam mit Uli Schmidt versucht, noch irgendwas zu retten und wir haben dann mit 15 anderen Stadien kreuz und quer telefoniert. Natürlich sind die Stadien Ende August mit den allgemein machbaren Zeiten komplett ausgebucht. Somit waren auch nur viel zu frühe oder zu späte Trainingszeiten frei. Diese Zeiten waren aber alternativlos und wir mussten sie zwangsläufig nehmen. Spieltermine für die fixierten Vorbereitungs-Spiele und gegebenenfalls auch Meisterschafts-Spiele zu finden, war dann nochmal wesentlich schwieriger. Für Eishockey braucht man natürlich viel Material, wir mussten dann einen Bully anmieten und haben die ganze Zeit materialmäßig aus dem Bully gelebt, da wir ja auch nicht in die eigene Kabine bzw. ins Lager durften. Mit den ganzen Sachen sind wir dann immer zwischen Düsseldorf, Essen und Duisburg gependelt.
Wie haben Sie mit der Mannschaft die Situation bewältigt?
Alle Spieler sind Vollzeit berufstätig und somit schon ausgelastet. Die Zeiten, die sie darüber hinaus noch dem Eishockey widmen, sind schon grenzwertig. Dazu kamen jetzt noch die zusätzlichen Fahrten, die ganze Schlepperei, die viel zu frühen oder zu späten Trainingszeiten, der enorme zusätzliche zeitliche Aufwand, all das war natürlich sehr zermürbend und hat sichtlich an der Substanz eines jeden Einzelnen gefressen.
Wie zufrieden sind Sie sportlich mit der Vorbereitungsphase?
In den On- und Off-Ice Trainingseinheiten haben die anwesenden Spieler alles gegeben, damit war ich sehr zufrieden, aber alles drum herum war einer Saisonvorbereitung vollkommen unwürdig, das bleibt auch mental und in den Klamotten hängen. Trauriger Höhepunkt waren dann auch die letzten beiden Vorbereitungs-Spiele in Leuven-B, was nach dem ersten Drittel beendet wurde und das durch Grefrath sehr kurzfristig abgesagte Heimspiel, wodurch ich natürlich keine eigenen Erkenntnisse gewinnen konnte.
Was sagen Sie zu den sehr geringen Zuschauerzahlen in den drei Vorbereitungs-Spielen in Düsseldorf und Essen?
Beschämend, aber für mich nicht überraschend, Solidarität insbesondere in dieser Situation sieht anders aus. Die aktuelle Situation hat nicht nur erhebliches zusätzliches Geld gekostet, ich behaupte auch, dass diese Situation sich auch in Zukunft bei den Zuschauerzahlen und Sponsoren negativ bemerkbar machen wird.
Welche Kadererkenntnisse haben Sie gewonnen?
Wir haben einen quantitativ kleinen Kader und wir haben zu viele Spieler, die beruflich immer wieder verhindert sind. So kann man keine Kontinuität ins Team bringen und das ist alles andere als leistungsfördernd. Wir sind in keinem Spiel oder Training komplett. Dazu kommt, dass zwei fest eingeplante junge U-Spieler aus privaten Gründen schon zu Saisonbeginn weg sind und Max Helmke, ein weiterer junger U-Spieler, mit Rückenproblemen seit Saisonbeginn ausfällt. Somit fehlen schon mal drei fest eingeplante Spieler komplett. Ein Import hat sich vor drei Wochen im Spiel verletzt und ist seitdem nicht mehr entsprechend belastbar, da brauchen wir jetzt eine sehr zeitnahe Lösung. Bei den aktuellen Gegebenheiten mit Abgängen, Langzeitverletzten und beruflich Verhinderten, brauchen wir wenigstens je einen geeigneten Verteidiger und Stürmer.
Wie zufrieden sind Sie mit den vier Imports?
Wie schon gesagt, unsere Imports sind keine Profi-Spieler und wir haben allen Imports einen Hauptjob vermittelt,somit erwarte ich natürlich auch nicht, dass sie die Liga in Schutt und Asche schießen. Da wir nicht genügend entsprechende deutsche Spieler haben, sollten sie das Level eines guten deutschen Spielers haben und das haben sie alle, somit erfüllen sie unsere Kriterien.
Wie sehen Sie Ihren Kader im Vergleich zur Konkurrenz?
Bis auf zwei Teams haben alle anderen Team aufgerüstet, teilweise sogar enorm. Unser diesjähriger Kader ist nicht besser als in den Jahren davor und somit rutschen wir im Vergleich zur Konkurrenz ab. Die aktuelle Stadionsituation wirkt sich zusätzlich nicht förderlich aus. Wir müssen uns jetzt ganz schnell einiges zusätzlich erarbeiten, aber dazu müssen dann ab sofort auch die Rahmenbedingungen passen. Wir als Team werden jedenfalls alles tun, was wir selber beeinflussen können.
Wer sind die Favoriten auf die Meisterschaft?
Bergisch Gladbach, Dortmund, Diez Limburg, Dinslaken und Bergkamen liegen eng beieinander, da sticht keiner deutlich raus. Lauterbach als neues Team, kann ich dagegen nicht einschätzen.
Welche Ziele haben Sie mit Ihrem Team?
Bei der Stadionsituation konnte ich nicht nur die Planungen für die Saisonvorbereitung, sondern auch die Zielsetzung in die Tonne werfen. Um optimale Leistung und optimalen Erfolg zu erzeugen, braucht man entsprechende Rahmenbedingungen. Wir haben in meiner vierjährigen Amtszeit sportlich immer weit mehr als das Optimale aus den zur Verfügung stehenden Mitteln gemacht, aber selbst diese Mittel der letzten Jahre sehe ich aktuell nicht.
Was sagen Sie zum letztjährigen Meister Eagles Essen und der Insolvenz?
Als ausgeschiedener Oberligist, mit einem neuen Club und Geldern. die nicht da sind, eine vollkommen überqualifizierte und überteuerte Mannschaft in der Regionalliga an der Start zu schicken, Meister zu werden und nach 9 Monaten Insolvenz anzumelden, ist keine Kunst, das kann jeder. In Essen sollte eigentlich was möglich sein, aber davon ist seit Jahren leider nichts mehr zu sehen.
Wie sehen Sie die Entwicklung der Regionalliga-West?
Die Oberliga ist die teuerste 3.Liga der Welt und die Regionalligen sind die teuersten 4.Ligen der Welt, das ist Fakt. Hauptgrund dafür ist, dass es nicht genügend deutsche Spieler für diese unteren Ligen gibt. Nach oben hin wird mit Spielern immer aufgefüllt, da hat man quantitativ kein Problem, aber für die unteren Ligen bleiben dann nicht mehr genug deutsche Spieler übrig. Auch in diesen unteren Ligen regelt Angebot und Nachfrage den Preis. In allen anderen Regionalligen ist die Ausländer-Limitierung schon gekippt und man spielt mit beliebig vielen Imports und so wird es in der Regionalliga-West auch kommen, den Trend kann man im deutschen Eishockey nicht mehr stoppen. Außerdem gilt das EU-Recht und alles andere sind nur Gentlemen Agreements. Ohne ausländische Kinder können viele Nachwuchsteams doch gar nicht mehr spielen, wo sollen denn dann die ganzen benötigten deutschen Spieler im Seniorenbereich herkommen.
Der Verband hat aber trotzdem die Ü-Spieler letzte Saison auf 15 und diese Saison auf 14 limitiert, um junge deutsche Spieler zu fördern. Wie ist das zu erklären?
Jeder, der entsprechende Ahnung vom Eishockey hat, weiß doch, wer diese Entscheidungen trifft, mehr braucht man dazu nicht sagen. In allen Ligen versucht man jungen deutschen Spielern mit diesen installierten U-Regeln zu helfen, indem man sie in Watte packt und Ihnen Plätze und Einsätze ohne entsprechende Leistung, garantiert. Und so eine U- oder Ü-Regel in der Regionalliga zu platzieren, ist doch ein absoluter Witz. Auch wenn in der Regionalliga Gelder bezahlt werden, ist das eine Hobby-Liga, wo ausschließlich Spieler spielen, die eine Karriere hatten oder nie eine haben werden. Da sollte man um jeden älteren deutschen Spieler froh sein, der sich das noch antut und diese Spieler nicht durch irgendwelche aberwitzigen Regeln limitieren. Wenn bekannt ist, wie junge deutsche Spieler in höheren Ligen durch diese Regelungen protegiert werden, weiß man doch folglich auch, welche Qualität an jungen deutschen Spielern für die Regionalligen übrig bleiben.
Und diese Spieler, die es nicht in die oberen drei Ligen schaffen, sollen sich dann in der Regionalliga mit 20 Hauptrunden-Spielen und zwei Trainingseinheiten die Woche durch diese Regel, für höhere Ligen qualifizieren. Echt super Idee, das wird mit Sicherheit klappen.
Die Ice Aliens stehen kurz vor dem ersten Punktspiel in Dinslaken. Dieses Spiel war vor der Stadionschließung als Heimspiel festgelegt, auch der Spielplan der Ice Aliens ist eher "abenteuerlich" als nachvollziehbar, was sagen Sie dazu?
Der Tausch des Heimspielrechts gegen Dinslaken ist eine weitere ungünstige Folge der Stadionschließung. Unseren Spielplan als "abenteuerlich" zu beschreiben, ist gnädig, unser Spielplan ist sportlich und finanziell ein Desaster. Wie gesagt, wir als Team können das nicht beeinflussen, leider müssen wir das alles schlucken und müssen trotzdem versuchen, das Beste daraus zu machen.
Herr Gentges, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!
