Interview mit Chef-Trainer Frank Gentges

Interview mit Chef-Trainer Frank Gentges

28.02.2026 | Allgemein

Die Redaktion sprach nach Ende der Hauptrunde und kurz vor den Play-Offs mit Chef-Trainer Frank Gentges

Gratulation zu Platz 2 in der Hauptrunde. Der enorme sportliche Erfolg der letzten drei Jahre geht also nahtlos und sensationell weiter.

Besten Dank. Nachdem Essen aus der Oberliga in die Regionalliga runter gehen musste, sollte für alle klar gewesen sein, dass Essen eigentlich noch vor Dortmund und Diez Limburg der Top-Favorit sein muss. Natürlich hätten Dortmund und Diez Limburg aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten die ersten Konkurrenten sein müssen, aber wir haben mit 49 Punkten verdient Platz 2 hinter Essen errungen und haben somit eine optimale Hauptrunde gespielt. Wir haben gegen jede Mannschaft gewonnen und wir sind auch die einzige Mannschaft, die gegen Essen gewonnen hat. Die Hauptrunde spiegelt die Saisonleistung wieder, die Play-Offs sind Tagesgeschäft.

Sie haben vor der Saison von einer Drei-Klassen-Liga gesprochen, hat sich das für Sie bestätigt?

Ja, vollkommen. Teams, die aus höheren Ligen wie der Oberliga oder CEHL in die Regionalliga kommen, haben für die Regionalliga viel zu große finanzielle Möglichkeiten. Zwischen keiner Ligen ist der Unterschied so groß wie zwischen Oberliga und Regionalliga. Somit müssen Essen, Dortmund und Diez-Limburg eigentlich zur Kategorie 1 gehören, wir zusammen mit Bergisch Gladbach, Dinslaken und Bergkamen zur Kategorie 2 und die restlichen Teams aus der Kategorie 3, haben oftmals sehr deutliche Niederlagen einstecken müssen. Das wir die Hauptrunde mit einem sensationellen 2. Platz abgeschlossen haben, verdanken wir ausschließlich der Arbeit im sportlichen Bereich und in keiner Weise unseren finanziellen Möglichkeiten und unserem Umfeld.

Der sowieso schon von Beginn der Saison an kleine Kader, ist durch die Abgänge von Maik Klingsporn, Tobi und Tim Brazda jetzt auf die verbliebenden 15 Spieler geschrumpft.

So ist es. Dass der Kader, unabhängig der Qualität, quantitativ viel zu dünn besetzt ist, habe ich ja seit Saisonbeginn thematisiert und das drei Abgänge dann allein schon die Quantität dramatisch verschlechtern, ist doch unbestritten. Bei den ganzen Unwägbarkeiten insbesondere in diesen unteren Ligen, ist die Kaderstruktur immer ein fortlaufender Prozess und mit unseren finanziellen Mitteln konnten wir dies qualitativ und quantitativ absolut nicht kompensieren.

Sie haben u.a. gesagt dass einige Spieler das Niveau gegen die Top-Teams nicht gehen können und das nun mal jede Kette nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied.

Genau und das ist auch Fakt. Gegen die schwächeren Teams fällt die fehlende offensive und insbesondere die fehlende defensive Qualität nicht so auf, aber gegen Top-Teams ist das bei einigen Spielern schon deutlich. Alle unsere Spieler haben bewiesen, dass sie auch das Level gegen die Top-Teams haben, aber eben nur punktuell und nicht auf Strecke. Play-Offs bedeutet, dass der Spieler das auf Strecke abrufen muss. Mit unserem sehr kleinen Kader von 15 Spielern, sprich 3 Blöcken, haben wir gegen die Top-Teams nur eine Chance, wenn wir keinen einzigen Ausfall haben, alle 100 % am obersten Limit und 100 % auf Linie sind und dazu der Gegner nicht an seinem höchsten Limit spielt. 

Sie haben anklingen lassen, dass trotz des leeren Spielermarktes mit 4-5 Spielern verhandelt wurde?

Das ist richtig, wir haben mit 5 Spielern verhandelt die in der aktuellen Situation unsere Kriterien einigermaßen erfüllt hätten. Zwei haben schlussendlich keine Freigabe ihres Clubs bekommen, einer hat sich entschieden, den Rest der Saison in der Oberliga zu bleiben und zwei können zu unseren viel zu frühen Trainingszeiten nicht. Nur irgendwelche Körper für die Bank zu holen, ist nicht unsere Philosophie, bringt nichts und kostet nur Geld. Dass in allen Regionalligen der Markt an deutschen Spielern chronisch leer ist, insbesondere für Clubs mit geringen finanziellen Mitteln, ist ja mittlerweile kein Geheimnis mehr. Darum wird in allen Ligen auch die Ausländerbeschränkung gekippt. Da es leider nicht mehr genug entsprechende Deutsche gibt, ist dieser Weg alternativlos. In der Regionalliga gibt es mittlerweile Teams mit über 20 Imports im Kader. 

Im letzten Spiel standen aufgrund von verletzten und kranken Spielern nur noch 13 Spieler zur Verfügung. Wie ist da der Stand?

Im letzten Spiel standen 12 eigene Spieler plus Förderlizenzspieler Brooklyn Beckers zur Verfügung, das ist auch unser normaler Durchschnitt im Spiel und Training. Drei komplette Blöcke bekommen wir nur ganz selten zusammen.

Welche Play-Off-Erwartungen haben Sie, insbesondere unter Berücksichtigung der aktuellen Kadersituation?

Ich bin Realist und weiß, wie schwer es mit dem aktuellen Kader wird. Die Jungs werden mit Sicherheit alles geben, wie schon in der Hauptrunde, aber da hatte der kleine Kader entsprechende Regenerationszeiten, in den Play-Offs ist die Taktierung der Spiele natürlich enger und die Jungs werden somit nicht frischer, insbesondere weil wir schon sehr lange unterbesetzt antreten. Alle Play-Off-Teilnehmer haben ihre Kader verstärkt, nur Ratingen hat sich qualitativ und quantitativ verschlechtert.

Wie sehen Sie die Viertelfinal-Paarungen?

Essen wird überhaupt keine Probleme haben, Dortmund und Diez Limburg werden es nicht so einfach haben, setzen sich aber durch und wir sind in der aktuellen Situation nicht der klare Favorit gegen Bergkamen.

Wen erwarten Sie im Finale und wer ist ihr Meisterschaftsfavorit?

Nach unserem Sieg in Essen habe ich gesagt, dass Essen so lange immer weiter einkaufen wird, bis keiner mehr eine Chance gegen sie hat und genau das haben sie auch getan. Aber Diez Limburg und besonders Dortmund haben da voll nachgezogen. Auch wenn das Halbfinale zwischen Essen und Diez-Limburg eine enge Serie werden könnte, lautet mein Finale Dortmund gegen Essen. Mit den ganzen Kaderverstärkungen, dem enormen Zuschauerzuspruch und den enormen finanziellen Möglichkeiten, sowie den Ambitionen höherklassig zu gehen, muss Dortmund jetzt auch endlich mal was gewinnen und Dortmund sollte auch die Voraussetzungen für die Oberliga haben.

Lassen Sie uns schon mal auf die neue Saison voraus schauen. Es war viel von anderen Strukturen und neuen Mannschaften zu lesen. Was sagen Sie dazu?

Wie zu allen Themen wurde auch zu diesem Thema von selbsternannten Fachleuten sehr viel Schwachsinn geschrieben. Die aktuelle Liga-Struktur der Regionalliga-West passt absolut nicht mehr zusammen, weil es drei Vereine gibt, die finanziell Lichtjahre von den anderen entfernt sind. Dies sei ihnen gegönnt, aber ich gehe davon aus, dass einige andere Vereine da nicht mehr mitgehen werden, so wie es vor der Saison leider schon Troisdorf und Bergisch Land gemacht haben. Wenn diese Vereine, die in der Oberliga die Strukturen nicht mitgehen konnten, diese Strukturen jetzt in der Regionalliga einführen wollen und von Doppelrunden und Fahrten in den Norden und Osten philosophieren, hat das überhaupt nichts mehr mit einer Regionalliga zu tun. Diese Leute haben absoluten Realitätsverlust, dafür haben alle bis auf drei Vereine, überhaupt kein Geld und dafür gibt es auch keine deutschen Spieler, die diesen zeitlichen Aufwand leisten können. Wo ist denn der Mehrwert, wenn ein 4. Liga Verein in NRW seine Spieler entsprechend dafür bezahlt, um sich für ein Spiel z.B. in Hamburg, einen Tag in den Bus zu setzen, plus die hohen Bus- und Verpflegungskosten trägt und Hamburg bringt dann zum Auswärtsspiel 10 Fans mit. Da stellt sich doch jeder NRW-Verein mit einem Spiel innerhalb von NRW in allen Faktoren wesentlich besser. Eine Regionalliga ist wie der Name schon sagt, eine regionale Liga und da sollten ausschließlich Spieler spielen, die einem Hauptjob außerhalb vom Eishockey nachgehen. Wenn man Oberliga-Strukturen will, mit Profi-Spielern durch ganz Deutschland reisen und auf 50-60 Spiele kommen will, dann sollen diese Vereine in die Oberliga gehen, aber da haben diese Vereine es ja nun mal nicht hin bekommen. Diese Vereine wollen jetzt Oberliga-Strukturen, die sie ihren Sponsoren und Fans in der Oberliga nicht ausreichend verkaufen konnten, in regionale Hobby-Ligen implantieren und das gleiche Produkt dann ihren Sponsoren und Fans mit einer Viertklassigkeit verkaufen, das erschließt sich mir nicht. Die Oberliga ist mit die teuerste 3.Liga der Welt und in keinem Land der Welt werden in einer 4.Liga ansatzweise diese Summen bezahlt, die mittlerweile vielerorts in Deutschland bezahlt werden. Um das mal abzukürzen, gehe ich davon aus, dass sich weitere Vereine aus der Regionalliga-West verabschieden, wenn gewisse Vereine in dieser Regionalliga bleiben oder sogar noch mehr aus der Oberliga oder anderen Ligen dazu kommen. Verabschieden sich die Vereine, die aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten in der Regionalliga nichts zu suchen haben in die Oberliga, bleiben die anderen und von unten kommen entsprechende Vereine wieder hoch, so hätte man in NRW wieder eine richtige Regionalliga. Nicht dass man mich falsch versteht, ich liebe Professionalität über alles, aber wenn Vereine mit viel Geld in einer Hobby-Liga den großen Max machen, finde ich das absolut peinlich, das hat absolut nichts mit Professionalität zu tun. Diese Vereine haben im Profibereich alle verkackt.

Foto: Leo Willim